Welche Medikamente werden eingesetzt?

Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten, die bei einer Interstitiellen Zystitis eingesetzt werden können. Sie können die akuten Symptome lindern, aber eine Garantie für eine gute Wirksamkeit oder gar Heilung gibt es nicht, da bis heute noch kein Wirkstoff gefunden wurde, der die Ursache bekämpft. Denn man weiß immer noch nicht, durch was eine Interstitielle Zystitis überhaupt ausgelöst wird.

Welche Schmerzmittel helfen bei einer Interstitiellen Zystitis?

Schmerzmittel, sogenannte Analgetika, können die akuten Schmerzsymptome lindern. Teilweise haben diese Medikamente auch eine entzündungshemmende Wirkung.

Bei moderaten Schmerzen werden in der Praxis häufig Acetylsalicylsäure oder andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen eingesetzt. Sie sind nur in der frühen Phase der Erkrankung wirksam. Was man bei deren Einsatz allerdings berücksichtigen muss ist, dass sie zu Histaminbildung im Körper führen und so einen neuen IC-Krankheitsschub auslösen können.

Paracetamol ist übrigens zur Schmerzlinderung bei Interstitieller Zystitis nicht geeignet, da es nur im Nervensystem wirksam ist.

Wenn Sie aufgrund Ihrer Interstitiellen Zystitis an chronischen Schmerzen leiden, wird Ihr Arzt früher oder später auf eine Schmerzbehandlung mit den oben beschriebenen Wirkstoffen ganz verzichten und Sie eventuell auf stärkere opioidhaltige Schmerzmittel wie Tilidin oder Morphin umstellen.

Reparatur der Blasenschutzschicht mit Pentosanpolysulfat1

Um eine langfristige Verbesserung zu erreichen, muss das Krankheitsgeschehen unterbrochen und die Heilung gefördert werden. Es nützt also nichts, nur den Schmerz zu behandeln. Vielmehr sollten möglichst die bestehende Schädigung der Blasenwand verringert und weitere Schädigungen vermieden werden.

Da das einzige zugelassene Arzneimittel in Europa – Pentosanpolysulfat – den Zuckermolekülen der Schutzschicht in der Blasenwand ähnelt, geht man davon aus, dass es die defekte Schutzschicht des Urothels reparieren kann, indem es sich in die GAG-Schicht einlagert und so geschädigte Stellen „kittet“. Dadurch kann die Barrierefunktion der Schutzschicht wiederhergestellt werden, was die Passage von im Urin gelösten reizenden oder giftigen (toxischen) Substanzen verhindert. Zudem kann es die Hemmung der Histamin-Ausschüttung unterstützen und somit die Durchblutung der Harnblase fördern. Langfristig verbessert sich dadurch die Entzündung und damit auch die Symptomatik der Erkrankung.

Grundsätzlich gilt: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso besser sind die Aussichten auf Verbesserung der Symptome.

Durch die wiederhergestellte Barrierefunktion der GAG-Schicht ist das Urothel nachhaltig vor reizenden Urinbestandteilen geschützt.

Was ist eine Blaseninstillation?

Die Blaseninstillationen – auch intravesikale Therapie genannt – werden in der Regel mit Medizinprodukten durchgeführt. Die Inhaltsstoffe werden direkt mit einem Katheter in die Harnblase eingebracht.

Verwendet werden hierfür zum Beispiel Hyaluronan (= Hyaluronsäure) und/oder Chondroitinsulfat. Diese Substanzen legen sich wie eine Schutzschicht über die Blasenwand, werden aber innerhalb von 1-4 Wochen wieder ausgespült und müssen regelmäßig wiederholt werden. Blaseninstillationen werden zur Zeit nicht von der Krankenkasse übernommen- in Einzelfällen kann eine Kostenübernahme erfolgen.

Es können aber auch Arzneimittel durch eine Blaseninstillation in die Blase eingebracht werden. Dadurch ist die Konzentration des Wirkstoffs am Ort des Geschehens am höchsten und es gelangt nur wenig von der instillierten Substanz in die Blutbahn.

Es handelt sich oft um entzündungshemmend wirkende Arzneimittel wie z. B. Kortison, Schmerzmittel, Heparin oder Lokalanästhetika (Lidocain), die instilliert werden – oft in Verbindung mit der EMDA-Methode.

Mit Instillationen werden Inhaltsstoffe in die Blase eingebracht, die sich als Film auf das ungeschützte Blasengewebe legen.

Welche weiteren Medikamente könnten helfen?

Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten aus verschiedenen Wirkstoffklassen bzw. Therapiegebieten. Ihre Aufgabe ist es in erster Linie, Entzündungen zu hemmen oder das Gewebe der Blasenwand zu entlasten. Ein Behandlungsversuch könnte sich damit lohnen.

Dazu gehören:

  • Antidepressiva wie z. B. Amitriptylin und Mirtazapin können Schmerzen und Entzündungen lindern sowie den Harndrang reduzieren. Aufgrund von Nebenwirkungen eignen sie sich aber für die langfristige Einnahme nur bedingt.
  • Antiallergische Wirkstoffe, wie Cimetidin, Montelukast oder Hydroxyzin (wirkt auch angstlösend), stabilisieren die Mastzellen und hemmen die vermehrte Histaminausschüttung. Dadurch werden andauernde Entzündungsprozesse unterbunden.
  • Muskelrelaxierende Arzneimittel, wie PDE-5-Hemmer, Nifedipin oder Tizanidin ebenso wie der Alphablocker Tamsulosin, führen zu einer erhöhten Entspannung (Relaxation) der glatten Muskulatur und können den Blasenmuskel oder den Beckenboden entspannen.
  • Immunsupprimierende – also das Immunsystem unterdrückende – Wirkstoffe wie Ciclosporin A, Azathioprin und Methotrexat können die Entzündungsreaktion, etwa durch Hemmung von Botenstoffen wie Interleukinen, verringern.
  • Auch das Antikonvulsivum Pregabalin, das bei neuropathischen Schmerzen und Angststörungen eingesetzt wird, kann schmerzlindernd wirken, weil es die Reizübertragungen an den Nerven hemmt.

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