Wie entsteht und verläuft die Interstitielle Zystitis?

Sehr vereinfacht erklärt könnte man sagen, dass die Blase über eine schützende Schleimhaut verfügt – ähnlich wie der Magen mit seiner Magenschleimhaut. Bei der Interstitiellen Zystitis ist diese Schutzschicht der Blase beschädigt.

Was passiert in der Harnblase und den Blasenwandschichten im Detail?

Die innenliegende Schutzschicht der Harnblase besteht aus langkettigen Zuckermolekülen, den Glykosaminoglykanen – kurz GAG. Die GAG-Schicht bildet eine Barriere zwischen dem sauren Urin in der Blase und den tieferliegenden Blasengewebeschichten – dem Urothel. Die GAG-Schicht verhindert unter anderem auch, dass sich Bakterien an der Blasenwand anheften.

Reizende Urinbestandteile verursachen Entzündungsreaktionen in der Blasenwand bei geschädigter GAG-Schicht.

Man vermutet, dass bei Patienten, die unter einer Interstitiellen Zystitis leiden, diese Schutzschicht durchlässig ist, da der Stoffwechsel und die Zellentwicklung in den Harnwegen gestört ist. Dadurch können reizende Substanzen im Urin durch die GAG-Schicht hindurch in das jetzt ungeschützte Blasenwandgewebe eindringen und so das darunterliegende Blasengewebe (Urothel) schädigen. Infolgedessen werden Mastzellen aktiviert, die Histamin freisetzen – einen Botenstoff, der Entzündungen fördert und unterhält.

Zum Glück kam mein Arzt auf die Idee, frühzeitig eine Blasenspiegelung bei mir zu veranlassen und hat auch gleich die Glomerulationen gesehen. Ich habe IC-Patienten durch den Förderverein Interstitielle Cystitis „ICA“ kennengelernt, die nicht so viel Glück hatten und jahrelang ohne Behandlung geblieben sind. Lange hätte ich diese furchtbaren Schmerzen ohne ärztliche Unterstützung nicht mehr ausgehalten.

Die dauerhaft bestehende Entzündung führt zu einer Übersensibilität der angrenzenden Nerven und verursacht die unangenehmen Schmerzen. Zusätzlich können unkontrolliert kleine Blutgefäße „wachsen“, die Blutungen in der Blase verursachen. Durch diese Blasenschädigung können sogenannte Glomerulationen und Hunner-Läsionen entstehen.

Glomerulationen – kleine Einblutungen der Blasenwand – entstehen sehr häufig. Sie können unter Umständen schon bei einer einfachen Blasenspiegelung (Zystoskopie) gesehen werden. Bei einer Blasendehnung (Hydrodistension) während einer Blasenspiegelung werden sie meist noch deutlicher sichtbar. Je nach Schweregrad der Glomerulationen, die man auch petechiale Blutungen nennt, sind auch andere Phänomene, wie der sogenannte „Blutregen“ oder das „Mukosa Cracking“, beobachtbar.

Die Folge der Gewebsschädigung sind funktionelle Beeinträchtigungen der Blase wie starker Harndrang, häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen und Schmerzen – typische Symptome einer IC/BPS.

Die Interstitielle Zystitis kann chronisch-rezidivierend oder chronisch-progredient verlaufen. Das bedeutet, dass die Erkrankung entweder phasenweise wiederkehrt oder sich fortwährend verschlechtert. Letzteres ist insbesondere dann der Fall, wenn die IC/BPS unerkannt bleibt.

Die Schmerzen können durch die Schädigung der Nerven und die Entwicklung eines sogenanntes Schmerzgedächtnisses chronisch werden. In einem späteren Krankheitsstadium beobachtet man auch die Abnahme des Blasenvolumens und es kann eine sogenannte Schrumpfblase entstehen.

Begleiterkrankungen, die häufig vorkommen

Da ich auch an diversen Lebensmittelunverträglichkeiten und Fibromyalgie leide, wurden meine Beschwerden in meinem Umfeld generell nicht ganz so ernst genommen. „Die hat doch immer neue Beschwerden…“ Viele dachten, ich will mich wichtig machen und manche haben mit den Augen gerollt, wenn ich mich wieder krankmelden musste. Das Problem war, dass ich immer ganz gesund aussah, außer wenn ich Augenringe von einer weiteren durchwachten Nacht hatte. Deshalb bin ich so erleichtert, dass ich endlich die Diagnose Interstitielle Zystitis erhalten habe. Nicht zu wissen, was man hat und an sich selbst immer zu zweifeln war furchbar und zermürbend.

Es gibt eine große Anzahl an möglichen Begleiterkrankungen (Komorbiditäten), die sehr häufig gleichzeitig mit einer Interstitiellen Zystitis (IC/BPS) auftreten. Diese müssen zusammen mit der IC/BPS behandelt werden und haben einen Einfluss auf die Prognose und den Verlauf der Interstitiellen Zystitis. Denn die vielen begleitenden Erkrankungen stellen für IC-Patienten eine Belastung dar, die zusätzlichen Stress bedeuten und daher Krankheitsschübe auslösen können.

Dazu gehören1:

Mögliche Begleiterkrankungen bei Interstitieller Zystitis.

  1. Oberpenning F et al. Dtsch Arztebl 2002; 99:A-204-208
    (aufgerufen am 30.10.2019)
  2. S2K-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS)"
    (aufgerufen am 30.10.2019)
  3. Warren JW et al., BJU Int 2012, 21:1139-1143

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