Wie und wann erfolgt die Diagnose?1

Ich war inzwischen so unfassbar müde von den ganzen Diagnosen, Tests und dem Nicht-ernst-genommen-werden. Deshalb habe ich nur noch versucht bei der Arbeit zu funktionieren und mir nichts anmerken zu lassen, da ich mir weitere Demütigungen ersparen wollte.

Mein Chef hat mich dann auf meine Beschwerden angesprochen. Er sehe, dass ich vor Schmerzen nur noch gebeugt gehen könne und hat mich zu einem Spezialisten in eine Klinik geschickt. Als mir der Arzt die Diagnose Interstitielle Zystitis mitgeteilt hat, sind mir die Tränen gekommen und ich habe ihm von ganzem Herzen gedankt. Endlich haben meine Schmerzen einen Namen und ich habe nun die Chance, mit der Krankheit leben zu lernen.

Vielleicht leiden auch Sie schon lange unter den typischen Symptomen, aber bisher konnte Ihnen noch kein Arzt wirklich helfen? Auch wenn es nur ein schwacher Trost ist: Sie sind mit dieser leidvollen Erfahrung nicht allein!

Denn es dauert im Schnitt bis zu 9 Jahre, bis die Diagnose „Interstitielle Zystitis“ gestellt wird und viele Betroffene haben bis dahin mehr als 20 Ärzte auf der Suche nach Hilfe aufgesucht!2

Wie stellt man eine Interstitielle Zystitis fest?

  • Anamnese
    Eine sorgfältige Anamnese, also das Erfassen Ihrer Krankheitsgeschichte durch eine gezielte Befragung, ist das A und O für die Diagnose.
    Schildern Sie Ihrem Arzt dabei möglichst kurz, aber genau Ihre Beschwerden. Denken Sie daran, dass Ihr Arzt wenig Zeit hat und er Ihnen aufmerksamer zuhören wird, wenn Sie ihm nicht Ihre gesamte Krankengeschichte chronologisch erzählen. Sagen Sie Ihm z. B. nicht, dass Sie „häufig auf die Toilette“ müssen, sondern nutzen Sie zum Beispiel das Miktions- und Schmerzprotokoll auf dieser Webseite, mit dem Sie genau die Häufigkeit dokumentieren können. So können Sie Ihrem Arzt nützliche Informationen im Gespräch geben. Sehr wichtig ist es auch für ihn zu wissen, seit wann Sie unter den jeweiligen Symptomen leiden.
    Geben Sie ihrem Arzt einen kurzen Überblick über bedeutsame (chronische) Erkrankungen und Therapien, Operationen und verschriebene Medikamente. Berichten Sie ihm aber auch von einschneidenden und belastenden persönlichen Erfahrungen (Verluste, körperliche oder psychische Misshandlungen, Suchtverhalten, etc.).
  • Miktions- und Schmerzprotokoll
    Schließlich wird Ihr Arzt Sie bitten, ein Miktions- und Schmerzprotokoll inklusive Dokumentation Ihrer Schmerzen mittels Schmerztagebuch über mindestens 3 Tage zu führen.
  • Kaliumchloridtest
    Ein sogenannter Kaliumchloridtest gibt Aufschluss über ein möglicherweise erhöhtes Schmerzempfinden. Das ist zusammen mit einem verkleinerten Blasenvolumen ein Hinweis auf eine Interstitielle Zystitis. Für eine sichere Diagnose ist dieser Test allerdings nicht sensitiv genug.
  • Blasenspiegelung (Zystoskopie)
    Herzstück der Diagnostik und unerlässlich, um herauszufinden, ob Sie tatsächlich an einer Interstitiellen Zystitis leiden, ist eine Blasenspiegelung – die Zystoskopie. Sie erfolgt mit einem speziellen urologischen Endoskop, dem Zystoskop, um in das Blaseninnere „sehen“ zu können.
    In der Regel wird gleichzeitig eine Blasendehnung mit Kochsalzlösung (Hydrodistension) vorgenommen. Diese „Dehnungszystoskopie“ wird ggf. stationär unter Narkose durchgeführt. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Gewebeveränderungen in der Harnblase, wie Glomerulationen und Hunner-Läsionen festzustellen. Je nach Schädigungsgrad wird durch die Dehnungszystoskopie manchmal auch ein sogenannter Blutregen („Waterfall Bleeding“) oder das Mukosa Cracking verursacht.
  • Fragebögen und Dokumentationsbögen
    Mithilfe von Fragebögen und Dokumentationsbögen erfasst der Arzt Ihre Symptome und deren Auswirkungen.
  • Körperliche Untersuchungen
    Auch verschiedene körperliche Untersuchungen – abhängig von Ihrem individuellen Beschwerdebild – sind erforderlich, um andere Erkrankungen auszuschließen.
  • Urinkultur
    Teil der Untersuchung ist ebenfalls das Anlegen einer Urinkultur, um eine bakterielle Infektion auszuschließen.

Blasenspiegelung mit Blasendehnung: optische Untersuchung der Blase unter Einleitung von Kochsalzlösung zur Dehnung der Blase.  

Wie werden andere Erkrankungen ausgeschlossen?

Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die dem Beschwerdebild der Interstitiellen Zystitis ähneln. Deshalb ist die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, die sogenannte Differenzialdiagnose, ein notwendiger Bestandteil der Diagnose.

Dazu gehören:

  • Urologische und gynäkologische Erkrankungen, wie zum Beispiel:
  • Erkrankungen des Muskel-/Skelettsystems
  • Erkrankungen des Bindegewebes
  • Erkrankungen des Verdauungssystems oder der Genitalien
  • Psychische Erkrankungen
  • Schädigung oder Infektion von Nerven

Für die Differenzialdiagnose können viele unterschiedliche diagnostische Tests notwendig sein und eventuell den Besuch bei verschiedenen Fachärzten notwendig machen.

Seit ich mich mit dieser Erkrankung beschäftige, verstehe ich wie schwer die Diagnose einer Interstitiellen Zystitis ist und warum ich so lange bei so vielen Ärzten auf der Suche nach einer Antwort war. Doch so sehr es mich auch quälte, meine Ärztin und ich waren ein gutes Team und sie hat mich immer unterstützt. Im Ausschlussverfahren und nach vielen Tests stießen wir dann irgendwann auf die Erkrankung Interstitielle Zystitis und der Übeltäter war endlich identifiziert!

Um chronische bakterielle Harnwegsinfekte – eine der häufigsten Fehldiagnosen – oder durch Bakterien verursachte Infektionskrankheiten der Geschlechtsorgane auszuschließen, wird Ihr Arzt eine Bakterienkultur mit einer Urinprobe anlegen. Die Urinkultur wird im Falle einer Interstitiellen Zystitis negativ ausfallen, sofern nicht gleichzeitig ein bakterieller Infekt vorliegt.

Ultraschalluntersuchung

Durch eine Ultraschalluntersuchungder Harnwege (Urosonographie) können eventuell vorhandene Fehl- und Neubildungen festgestellt werden und andere gynäkologische Erkrankungen, wie z. B. eine Endometriose ausgeschlossen werden.

Uroflowmetrie

Bei Männern sollte zusätzlich eine Uroflowmetrie (= Harnflussmessung) mit Restharnbestimmung durchgeführt werden. Durch die Messung der Harnmenge pro Zeiteinheit wird eine Blasenentleerungsstörung festgestellt.

Biopsie

Besteht ein Verdacht auf Blasenkrebs werden bei der Zystoskopie Gewebeproben (Biopsie)  entnommen und untersucht.

Blutuntersuchung

Neben den oben beschriebenen Untersuchungen gibt es noch andere Möglichkeiten, eine Interstitielle Zystitis von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Manchmal führt der Arzt deshalb Blutuntersuchung durch, um Entzündungsreaktionen oder Infekte, zum Beispiel durch Tests auf einen erhöhten Gehalt an Entzündungsmarkern, weißen Blutkörperchen (Leukozyten) oder Bakterien festzustellen.

Stuhldiagnostik

Zum Nachweis bestimmter Bakterien wird manchmal auch eine Stuhldiagnostik durchgeführt.

  1. S2K-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis (IC/BPS)"
    (aufgerufen am 30.10.2019)
  2. Jocham D et al. Urologe 2013; 52(5): 691-702

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