Behandlungsmöglichkeiten der Interstitiellen Zystitis

Die deutsche Leitlinie zur „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Cystitis“1 empfiehlt eine individuelle, auf den Patienten bzw. die Patientin zugeschnittene Therapie in verschiedenen Stufen. Stufe 1 ist für alle IC-Patienten empfohlen.

Zur Stufe 1 gehören Änderungen des Lebensstils und der Ernährung, um eventuelle Auslöser oder Verstärker zu meiden. Diese sind für alle Patienten empfohlen.

Auch Physiotherapie, Schmerztherapie (z. B. durch Wärmebehandlungen) oder komplementärmedizinische Behandlungsansätze sind hier angeraten.

Oft eingesetzte zusätzliche Therapien sind unter anderem Akupunktur, eine mikrobiologische Therapie sowie die Neuraltherapie, d. h. Injektionen mit einem Lokalanästhetikum in die Haut.

Häufig bestehen auch Mikronährstoffdefizite, die durch eine orthomolekulare Therapie mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ausgeglichen werden können.

Wenn die Maßnahmen in Stufe 1 nicht ausreichend helfen oder der Leidensdruck bereits zu hoch ist, kommen die Therapiemöglichkeiten in Stufe 2 und höher in Betracht.

Manche Ärzte und auch einige Leute in meinem Umfeld haben mir gesagt, ich sollte mal zum Psychiater gehen. Diese Beschwerden seien nicht „normal“. Ich habe auch an mir selbst gezweifelt und gedacht, alles spielt sich nur in meinem Kopf ab. Ich habe mich so geschämt. Mittlerweile habe ich mich doch überwunden und mich in eine Therapie begeben, nun da ich weiß, dass ich eine Interstitielle Zystitis habe und ernst genommen werde. Meine Ärzte wissen, wie fordernd meine Erkrankung ist und ich erfahre zum ersten Mal die emotionale Unterstützung, die ich benötige…

Therapeutisches Stufenschema gemäß Leitlinie zur „Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis“.

Haben Sie auch schon über eine psychologische oder psychiatrische Beratung nachgedacht? Vielleicht auch schon deshalb, weil Ihnen der eine oder andere Bekannte oder Ihr Arzt vermitteln wollte, dass Sie sich „Ihre Erkrankung nur einbilden“? Die Interstitielle Zystitis ist eine sehr fordernde und einschränkende Erkrankung, die sich auf alle Lebensbereiche wie körperliches Wohlbefinden, Partnerschaft, Sexualität, soziale Kontakte und Beruf auswirkt.

Deshalb sollten Sie sich unabhängig von solchen Aussagen Unterstützung suchen, wenn Sie merken, dass Ihnen „alles über den Kopf wächst“. Die professionelle Beratung kann Ihnen helfen, Stress zu vermindern, was sich wiederum gut auf den Krankheitsverlauf auswirken kann. Denn Stress ist ein wichtiger Trigger der Erkrankung und kann Ihre Symptomatik verschlimmern.

In Stufe 2 und 3 werden bestimmte kombinierte (multimodale) medikamentöse Therapien empfohlen. Pentosanpolysulfat – kurz PPS – ist das einzige in Europa zugelassene orale Arzneimittel zur Behandlung der Interstitiellen Zystitis.

Um die mit einer Interstitiellen Zystitis einhergehenden Schmerzen zu lindern, kommen sogenannte Analgetika – also Schmerzmittel – zum Einsatz.

Es gibt noch eine Reihe anderer Medikamente, die zur Behandlung der Interstitiellen Zystitis eingesetzt werden. Sie alle haben ihre Haupteinsatzgebiete jedoch bei anderen Erkrankungen – ein Behandlungsversuch kann sich aber lohnen, um die Symptome der IC/BPS zu lindern.

Häufig eingesetzt werden auch Harnblasenspülungen, sogenannte Instillationen, die bestimmte Inhaltsstoffe, wie Chondroitinsulfat, Hyaluronan oder Heparin über einen Katheter direkt in die Blase einbringen.

Bei der EMDA-Methode (Electromotive Drug Administration) werden Arzneimittel, die entzündungshemmend oder schmerzlindernd wirken, als Instillation in die Blase eingebracht. Dabei werden die Wirkstoffe durch Iontophorese und Elektrophorese auf elektrochemischem Wege in die tiefen Schichten der Harnblasenwand eingebracht.

Die Blasendehnung (Hydrodistension) ist nicht nur ein wichtiges Diagnoseverfahren, sondern verbessert auch in etwa der Hälfte aller Fälle die Symptome einer Interstitiellen Zystitis.
Gleichzeitig kann hier auch eine Verödung (Fulguration) bzw. Entfernung (Resektion) von Hunner-Läsionen erfolgen.

Bessern sich die Beschwerden trotz zahlreicher vorangegangener Therapieversuche nicht oder nicht ausreichend, kann eine stationäre Rehabilitation in Betracht gezogen werden.

Stufe 4 beinhaltet die Behandlung chronischer Schmerzen mit Botulinumtoxin-Injektionen (Onabotulinumtoxin A) oder die Neuromodulation, also den Einsatz einer Elektrode als sogenannten „Nerven-Schrittmacher“.

Über das Einführen eines Katheters durch die Harnröhre können Inhaltsstoffe direkt in der Blase verabreicht werden.

Stufe 5 sieht operative Eingriffe bei therapieresistenten Fällen mit einem hohen Leidensdruck vor. In Betracht kommen hier auch Harnblasenvergrößerungen (Augmentation) oder eine Harnblasenentfernung ggf. inkl. Harnblasenersatz mit begleitenden Reha-Maßnahmen. Zwar sind nach Harnblasenaugmentation oder -entfernung zwischen 80 und 100 % der Betroffenen beschwerdefrei, aufgrund von möglichen Komplikationen und funktionellen Einschränkungen sind operative Eingriffe jedoch als die letzte Möglichkeit anzusehen.

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