Fragen und Antworten zur Interstitiellen Zystitis (FAQ)

Die Diagnose der Interstitiellen Zystitis wird unter Ausschluss anderer gynäkologischer, urologischer oder internistischer Erkrankungen gestellt. Dafür muss oft eine Vielzahl von Untersuchungen und Tests durchgeführt werden – unbedingt ist aber eine Blasenspiegelung (Zystoskopie), ein Schmerz- und Drangprotokoll sowie eine körperliche Untersuchung für die Diagnosestellung erforderlich.

Blasenkrebs kann ähnliche Symptome verursachen wie eine Interstitielle Zystitis. Um diesen auszuschließen und die Diagnose IC/BPS abzusichern, kann – zusätzlich zur optischen Untersuchung – durch eine Blasenspiegelung eine Gewebeprobe der Blasenwand entnommen und untersucht werden (Biopsie).

Die Blase von IC/-Patientinnen reagiert auf hormonelle Schwankungen. Die Art und Weise ist allerdings sehr verschieden. Manche Frauen bemerken beispielsweise eine Verstärkung ihrer Symptome, wenn der Östrogenspiegel am höchsten ist, also etwa in der Zyklusmitte. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Östrogene die in der Blase befindlichen Mastzellen zur vermehrten Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen anregen. Am besten verzichten Sie dann unter anderem auf stark histaminhaltige Nahrungsmittel.
Bei anderen Betroffenen wirkt sich der erhöhte Östrogenspiegel in der Zyklusmitte besonders positiv aus. Sie können mehr Obst essen, ohne dass Reizungen auftreten, haben weniger Schwierigkeiten beim Sex und fühlen sich insgesamt wohler. Das könnte daran liegen, dass durch die Östrogene die Blasenschleimhaut im Bereich des Trigonums (Blasendreieck) aufgebaut wird und ein Mangel an Gelbkörperhormon (Progesteron) herrscht.
Manche Frauen fühlen sich durch die niedrigen Hormonspiegel während der Menstruation am besten. Bei anderen Patientinnen verstärkt sich die Symptomatik während dieser Zeit.

Es gibt ein paar einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen, wenn sich die Beschwerden während der Periode verschlimmern:

  • Viel trinken
  • Wenig Salz
  • Wechseln Sie häufig Tampons oder Binden, um Infektionen zu vermeiden. Tampons können Druck auf die Harnröhre ausüben und Schmerzen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen verursachen. Verzichten Sie dann am besten auf Tampons.
  • Probieren Sie auch aus, ob Wärme oder Kälte Ihre Beschwerden lindert – manchmal hilft auch beides gleichzeitig.

Eine Schwangerschaft mit IC/BPS ist grundsätzlich keine Risikoschwangerschaft. Die Therapie kann aber in dieser Zeit Schwierigkeiten verursachen, da möglichst wenig Medikamente eingenommen werden sollen.
Manche Patientinnen berichten über eine Verbesserung im ersten Drittel der Schwangerschaft, bei anderen hingegen nehmen die Beschwerden in dieser Zeit zu. Im 2. Trimester sind die Symptome in aller Regel eher gering und nehmen am Ende der Schwangerschaft wieder zu.
Lassen Sie unbedingt bei jeder Vorsorgeuntersuchung den Urin untersuchen, um bakterielle Harnwegsinfekte, die in der Schwangerschaft häufig sind, auszuschließen.
Die Art der Geburt – ob auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt – scheint sich nicht auf die IC/BPS auszuwirken. Nach der Geburt – insbesondere während der Stillphase – sind die Beschwerden häufig deutlich geringer. Das Erlernen von Entspannungstechniken oder Biofeedbacktraining ist sinnvoll, um Verkrampfungen des Beckenbodens, die durch die Entbindung entstehen können, zu lösen und den geschwächten Beckenboden zu trainieren.

Das Thema Empfängnisverhütung kann für viele Betroffene zu einer Herausforderung werden. So kommt beispielsweise eine hormonelle Verhütung (Kontrazeption) nur infrage, wenn diese Ihre Symptome nicht verschlimmert. Die Spirale verursacht häufig stärkere und schmerzhaftere Regelblutungen, was die IC/BPS-Symptomatik ebenfalls verstärken kann.
Diaphragma und Spermizide sind ebenfalls ungeeignet, da diese die Beschwerden verschlimmern können.
Die ideale Methode ist die Verwendung von Kondomen, die weder mit einem Gleitmittel noch mit Spermiziden beschichtet sind. Wenn Sie gegen Latex allergisch sind, wählen Sie latexfreie Präservative.
Wenn die Familienplanung bereits abgeschlossen ist, können Sie auch über die Möglichkeit einer Sterilisation des Mannes nachdenken.

Bei vielen Patientinnen verstärken sich die Symptome durch den sinkenden Östrogenspiegel in der Menopause. Sind die Wechseljahreserscheinungen sonst eher moderat ausgeprägt, reicht es oft aus, das Östrogen Estradiol, das insbesondere im Bereich von Scheide, Harnröhre und Blase wirkt, als Creme oder Vaginalzäpfchen anzuwenden.
Eine Hormonersatztherapie sollte nur dann erwogen werden, wenn die Gabe von Gelbkörperhormonen (Gestagen) die Beschwerden nicht verschlimmern.

Eine Interstitielle Zystitis ist nicht ansteckend. Ihr Partner muss sich daher nicht behandeln lassen – sofern nicht zugleich noch ein bakterieller Harnwegsinfekt oder eine sexuell übertragbare Erkrankung nachgewiesen worden ist.

Suchen Sie rasch nach Maßnahmen zur Linderung des Schmerzes. Der Schmerz ist ein wichtiges und ernstzunehmendes Signal.

  • Platzieren Sie ein Kühlpack oder eine Wärmflasche auf dem Damm – je nachdem, was Ihnen im Moment angenehmer ist.
  • Nehmen Sie ein Sitzbad mit Natriumbikarbonat. Die Wärme kann den Schmerz dämpfen.
  • Ziehen Sie Ihre Knie eng an Ihren Brustkorb oder lehnen Sie sich beim Sitzen mit ausgestreckten und gespreizten Beinen zurück.
  • Trinken Sie ein Glas Wasser mit einem Teelöffel Natriumbikarbonat (Achtung: Bei Herz- oder Nierenproblemen sprechen Sie bitte vorher mit Ihrem Arzt)
  • Lassen Sie sich von Ihrem Arzt ein Schmerzmittel für solche akuten Fälle verordnen.
  • Leeren Sie Ihre Blase in regelmäßigen Abständen – mindestens 8-mal täglich. Führen Sie ein Miktionsprotokoll.
  • Vermeiden Sie Scheidenspülungen, parfümierte Seifen und Produkte sowie Schaumbäder. Waschen Sie sich am besten mit reinem Wasser.
  • Tragen Sie nur Baumwollslips und vermeiden Sie Kunstfaser- oder Seidenslips.
  • Verwenden Sie ungebleichte, unparfümierte Slip-Einlagen.
  • Benutzen Sie chlorfrei gebleichtes, weißes Toilettenpapier.
  • Wischen Sie immer nur von vorne nach hinten.
  • Reinigen Sie sich nach dem Wasserlassen oder dem Stuhlgang mit Wasser – entweder mit einem Schlauch (schwacher Strahl!) oder mit einer Sprühflasche. So verhindern Sie, dass Bakterien vom Darm in die Harnröhre gelangen.
  • Denken Sie bei der Verhütung über hormonfreie Alternativen nach. Hormone können die Schmerzen noch verschlimmern.
  • Das Diaphragma kann Druck auf die Harnröhre ausüben und so die Beschwerden verschlimmern.
  • Spermizide werden häufig nicht vertragen.
  • Die Spirale kann Krämpfe der Gebärmuttermuskulatur verursachen, was Schmerzen in Blase, Darm und Vulva-/Dammbereich auslösen kann.
  • Allergiegetestete Kondome sind eine empfehlenswerte Methode zur Empfängnisverhütung. Sie schützen zudem vor Infektionen. Zudem reagieren viele Frauen mit IC/BPS und/oder Vulvodynie sensibel auf Sperma.
  • Achten Sie und Ihr Partner/Ihre Partnerin auf Hygiene vor, während und nach dem Sex. Duschen Sie vorher und nachher mit schwachem Strahl (ohne Seife) vom Schambein in Richtung After.
  • Gleitmittel können bei vaginalem Sex mechanische Reizungen vermindern. Allerdings können Gleitgele auch selbst Reizungen verursachen. Fragen Sie in der Apotheke nach antiallergischen Gelen und probieren Sie verschiedene Varianten aus.
  • Experimentieren Sie mit nicht-vaginalem Sex (außer Analsex), um Infektionen mit Darmbakterien zu verhindern.
  • Leeren Sie Ihre Blase vor dem Sex und trinken Sie davor und danach ein großes Glas Wasser.
  • Vermeiden Sie sexuelle Aktivität bei IC/BPS-Symptomatik.
  • Vermeiden Sie zu lang andauernden vaginalen Sex und sexuelle Aktivitäten, bei denen Druck auf die Harnröhre ausgeübt wird.
  • Achten Sie auf sich und Ihren Körper: Was tut Ihnen gut, was sollten Sie lieber vermeiden? Einigen Frauen hilft es beispielsweise, ein krampflösendes Medikament vor dem Sex einzunehmen, wenn sie zu Unterleibskrämpfen neigen. Manche Frauen genießen die Stimulierung der Klitoris („Kitzler“), anderen wiederum bereitet dies Schmerzen.
  • Schreiben Sie sich genau auf, welche Körperhaltungen Sie einnehmen oder welche körperlichen Aktivitäten Sie ausüben und welche Auswirkungen diese auf Ihre Symptome haben.
  • Sitzen Sie aufrecht und verlagern Sie das Gewicht entweder auf die Oberschenkel oder nach hinten auf die Sitzbeinhöcker. Dies vermindert den Druck auf den Dammbereich.
  • Nehmen Sie die Oberschenkel auseinander. Dies mindert den Schmerz, der durch Druck auf Harnröhre, Vulva, Damm oder After entsteht. Auch das Sitzen auf einem Sitzring – ähnlich einem aufgeblasenen Schwimmring – empfinden viele Patient(inn)en als angenehm.
  • Legen Sie sich ein kleines Kissen zwischen die Oberschenkel, wenn Sie auf der Seite liegen, um Harnröhre und Wirbelsäule zu entlasten.
  • Suchen Sie nach der für Sie idealen Position während des Wasserlassens – diese ist individuell ganz unterschiedlich.
  • Wenn Sie Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung haben, legen Sie für etwa 20 Minuten ein Kühlpack auf das Steißbein oder setzen Sie sich darauf. Dies reduziert Schwellungen, lindert Schmerzen und hilft meist beim Wasserlassen.
  • Verwenden Sie Kälte- oder Wärmepacks im Schritt oder am unteren Ende der Wirbelsäule. Wechseln Sie eventuell zwischen Kälte- und Wärmeanwendungen.
  • Nehmen Sie im Akut-Fall – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt – ein Schmerzmittel ein.
  • Nehmen Sie Ihre verschriebenen Medikamente regelmäßig ein.
  • Erlernen Sie entsprechende Atem- und Entspannungstechniken und wenden Sie diese sofort an.
  • Entspannen Sie bewusst (!) Ihre Beckenbodenmuskulatur.
  • Reiben und massieren Sie empfindliche Punkte zwischen Wirbelsäule und Hüftgelenke zum Beispiel mit Arnika.
  • Arbeiten Sie mit inneren Bildern: Sperren Sie zum Beispiel Ihren Schmerz in Gedanken in eine Schachtel und werfen Sie ihn in einen Fluss. Sehen Sie ihm nach, bis er verschwindet.
  • Denken Sie daran, dass der Schmerz und die schlimmen Symptome nicht ewig anhalten. Sehen Sie die Symptome eher als Moment der Verschlechterung an. „Heute ist es zwar schlimm, aber morgen wird es wieder besser.“
  • Definieren Sie den Schmerz als eine andere Empfindung, zum Beispiel als Druck.
  • Lenken Sie sich ab: Lesen Sie oder sehen Sie fern, hören Sie Musik oder singen Sie selbst, beschäftigen Sie sich mit Gartenarbeit, malen Sie, etc. Gehen Sie spazieren, wenn es Ihnen guttut.
  • Isolieren Sie sich nicht. Gehen Sie unter Leute und sprechen Sie mit jemandem.
  • Manchmal hilft es auch, sich einfach flach ins Bett zu legen.
  • Notieren Sie sich, was Ihnen gut hilft und was Ihnen nicht guttut.
  • Informieren Sie sich über Ihre Erkrankung und die Behandlungsmöglichkeiten. Werden Sie zum Experten für Ihre Interstitielle Zystitis – alles was Ihnen hilft ist richtig!
  • Seien Sie offen für Neues und neue Therapien. Suchen Sie nach speziellen Behandlungen, auch alternative Ansätze oder Nahrungsergänzungsmittel können helfen.
  • Behalten Sie Ihren Humor und scherzen Sie – auch über Ihre Erkrankung.
  • Akzeptieren Sie Ihre Erkrankung – dadurch werden Sie zum Manager Ihrer Interstitiellen Zystitis und müssen nicht ständig dagegen ankämpfen.
  • Akzeptieren Sie auch die Veränderungen in Ihrem Körper. Aber nicht an alle müssen Sie sich gewöhnen – denn manche sind nur vorübergehend.
  • Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihre Gesundheit und lassen Sie nicht zu, dass die Erkrankung ihr ganzes Leben bestimmt.
  • Suchen Sie sich auch psychotherapeutische Hilfe, wenn Ihnen „alles über den Kopf wächst“.
  • Seien Sie gut zu sich selbst und nehmen Sie auf sich und Ihre Bedürfnisse Rücksicht.
  • Reduzieren Sie Ihre Arbeitslast.
  • Schaffen Sie sich Rückzugmöglichkeiten.
  • Reduzieren Sie Ihre Erwartungen an sich und andere.
  • Machen Sie sich hübsch. Dann fühlen Sie sich besser.
  • Setzen Sie sich klare Ziele für den Umgang mit bestimmten Situationen.
  • Machen Sie sich auch bewusst, dass die Besserungen Zeit brauchen und nicht „von heute auf morgen“ kommen.
  • Machen Sie Pläne.
  • Akzeptieren Sie Ihre Wut oder Ihre Trauer. Machen Sie Ihren Gefühlen Luft – ohne andere in Mitleidenschaft zu ziehen. Auch Weinen ist okay!
  • Sagen Sie laut STOPP, wenn schwarze Gedanken aufkommen.
  • „Verschließen“ Sie den Bereich in Ihrem Gehirn, der leidet, mit einem imaginären Schlüssel, wenn Sie genug gelitten haben.
  • Stellen Sie sich schöne und friedliche Szenen vor.
  • Bewerten Sie Ihre Erfahrungen auch positiv: Was Sie jetzt lernen, kann Ihnen in anderen Situationen später hilfreich sein.
  • Lernen Sie, Ihre Bedürfnisse gegenüber anderen Menschen, auch den behandelnden Ärzten, durchzusetzen.
  • Meiden Sie schwierige Personen oder Situationen. Insbesondere Personen, die kein Verständnis für Sie aufbringen.
  • Lernen Sie, NEIN zu sagen.
  • Teilen Sie Aktivitäten mit anderen – insbesondere solche, bei denen Sie lachen können.

Mithilfe eines Blasenkatheters wird Urin abgeleitet und in einem Beutel aufgefangen. Es gibt zwei verschiedene Formen von Blasenkathetern:
Beim transurethralen Katheter wird der Katheter über die Harnröhre in die Blase eingeführt. Der suprapubische Katheter wird durch einen Einstich in der Bauchdecke direkt in die Harnblase gelegt. Es handelt sich um einen kleinen operativen Eingriff unter örtlicher Betäubung. Der suprapubische Katheter kann (erstmalig) nur von einem Arzt gelegt werden. Beide Katheter-Typen müssen nach spätestens vier Wochen gewechselt werden, da es mit der Zeit zu einer bakteriellen Besiedlung kommt. Aus medizinischer Sicht sind beide Optionen gleichwertig. Die Entscheidung, welches Kathetermodell zur Anwendung kommt, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt treffen.

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