Wie kommt es eigentlich zu Blasenentzündungen?

Es war die letzten Tage immer kalt und regnerisch gewesen, sodass ich mich unterkühlt habe. Ich hatte das Gefühl, dass meine Blase den gesamten Unterleib ausfüllen würde. Auf der Toilette war mein Harnstrahl schwach, brach immer wieder ab und es dauerte lange, bis die Blase etwas leerer wurde. Es brannte wie die Hölle. Ich hätte nie gedacht, dass eine Blasenentzündung so schmerzhaft ist!

Brennen beim Wasserlassen, das Gefühl, immer auf die Toilette zu müssen, trüber Urin und Bauchkrämpfe – haben Sie das schon erlebt? Oder leiden Sie regelmäßig unter diesen Symptomen? Dann wissen Sie bestimmt, dass dies Anzeichen für eine Blasenentzündung sein können – auch Cystitis oder Zystitis genannt.

Der häufigste Auslöser sind Bakterien. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um „fremde“ Keime, die man sich „eingefangen“ hat. Der häufigste Erreger, Escherichia coli (kurz: E. coli), kommt aus dem eigenen Darm. Er ist ein natürlicher Bestandteil der Darmflora.

Er kann über die Vagina und die Harnwege in die Blase eindringen, um sich an der Blasenwand anzuheften und zu vermehren. Die Keime müssen nur den kurzen Weg vom After zur Scheide oder zur Harnröhre über den sogenannten Damm überwinden.

Durch die Harnröhre gelangen die Bakterien zur Blase und können sich an die Blasenwand anheften. Vermehren sie sich dort, reagiert das Immunsystem auf den Befall und schüttet unter anderem entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Man spricht von einer bakteriellen Blasenentzündung oder einer bakteriellen Zystitis.

E. coli, ein Erreger, der häufig Probleme bereitet

Das Bakterium E. coli kommt natürlicherweise in unserem Darm vor.
Funktioniert die eigene Immunabwehr gut, werden die in die Blase eingedrungenen Bakterien schnell unschädlich gemacht und mit dem Urin wieder ausgespült. Ist unser Immunsystem geschwächt oder die Anzahl der eingedrungenen Bakterien zu hoch, können Infekte entstehen. Durch eine Entzündungsreaktion versucht der Körper dann, die Erreger zu bekämpfen.

Ich dachte immer, dass eine Blasenentzündung nur durch das Bakterium E. coli ausgelöst wird. Dass sogar Pilze dafür verantwortlich sein können, war mir völlig neu.

E. coli verursacht etwa 80 % aller Harnwegsinfektionen1. Es kommen aber auch andere Erreger als Auslöser infrage. Das können zum Beispiel Bakterien aus der Gattung Proteus, Staphylococcus oder Gardnerella vaginalis2 sein. Seltener sind Pilze wie Candida albicans, Parasiten oder Viren, z. B. Adeno– oder Polyomaviren, für eine Blaseninfektion verantwortlich.

E. coli mit Geißeln zum Anheften an die Blasenwand.

Warum sind Frauen von Blaseninfektionen häufiger betroffen?

Wussten Sie, dass Frauen etwa 30 Mal häufiger an einer Blasenentzündung leiden als Männer bzw. dass mehr als die Hälfte aller Frauen mindestens einmal im Leben daran erkrankt?1

Warum ist das so?

Hintergrund dafür ist die Anatomie der Frau: Die Harnröhre der Frau ist nur etwa 3 bis 5 cm lang. Zum Vergleich: die Harnröhre des Mannes ist etwa 20 cm lang. Diese kurzen Wege erleichtern es den Bakterien – gerade bei Frauen – in die Blase zu gelangen und dort „Unheil zu stiften“.

Was passiert, wenn sich unsere Blase entzündet?

Wenn die Bakterien in die Blase gelangt sind und sich dort an der Blasenwand angeheftet haben, lösen ihre giftigen (toxischen) Stoffwechselprodukte eine Entzündungsreaktion aus. Das Immunsystem bekämpft die Infektion, indem die in der Blasenwand befindlichen Mastzellen Histamin ausschütten, was die Entzündungsreaktion weiter verstärken kann. Diese Reaktion führt zu einer Reizung der Blasenwand und kann sie auf Dauer schädigen. Meistens ist bei einem Infekt nicht nur die Blase (man spricht dann von einer Zystitis) betroffen, sondern auch die Harnröhre. Diese Entzündung der Harnröhre oder der ableitenden Harnwege nennt man Urethritis.
Doch nicht immer sind Bakterien die Verursacher einer Blasenentzündung. Vielleicht wissen Sie bereits, dass es auch eine nicht bakterielle  (= abakterielle) Zystitis gibt.

Vorgänge bei einer bakteriellen Blasenentzündung.

Wie entsteht die Entzündungsreaktion in der Blase?

Unser Körper reagiert mit einer Entzündung auf Fremdstoffe oder Erreger, um den Auslöser zu beseitigen und einen Heilungsprozess einzuleiten. Dabei sammeln sich Immunzellen an den betroffenen Stellen und schütten Botenstoffe (wie z. B. Histamin) aus, welche die typischen Entzündungsanzeichen hervorrufen, die Sie wahrscheinlich kennen: Hautrötung, Schwellung, Entzündungswärme durch die stärkere Durchblutung des Gewebes, Schmerzen und manchmal auch Fieber.

Bei einer Blasenentzündung kommt es dann zu Irritationen der Blase, einer sogenannten Reizblase, die den lästigen und ständigen Harndrang der Blasenentzündung verursachen.

Die typischen Symptome einer bakteriellen Blasenentzündung

Letztes Jahr hatte ich häufiger Blasenentzündungen. Es war so unangenehm und ich habe mich so unsauber gefühlt. Ständig musste ich auf die Toilette. Dann saß ich da und hatte Angst vor den Schmerzen, wenn der Urin fließt.

Aber das war nicht das Schlimmste. Ich wurde von derartigen Schmerzen im Unterleib überfallen, dass ich nur noch zusammengekrümmt im Bett liegen konnte. Eine typische bakterielle Blasenentzündung, sagte mein Arzt.

Er gab mir ein entkrampfendes Mittel und Antibiotika für die nächsten 3 Tage, um die Bakterien wieder los zu werden. Innerhalb eines Tages ging es mir bereits schon etwas besser und war nach wenigen Tagen wieder gesund und ohne Beschwerden.

Wenn Sie häufig unter bakteriellen Harnwegs- oder Blaseninfekten leiden, kennen Sie die typischen Krankheitsanzeichen bestimmt:

  • Schmerzen, Brennen oder Stechen beim Wasserlassen (Algurie)
  • häufiges Wasserlassen mit oft schwachem Strahl/geringen Harnmengen (Pollakisurie)
  • heftiger Harndrang und ständiges Druckgefühl (imperativer Harndrang)
  • eventuell Blut im Urin (Hämaturie)

Es gibt aber noch weitere Symptome, die auf eine Blasenentzündung hinweisen können:

  • plötzliche, starke Krämpfe in der Blasengegend
  • übelriechender oder trüber Urin
  • nachts auftretender Harndrang (Nykturie)
  • allgemeine Anzeichen einer Infektion wie Unwohlsein, manchmal auch Fieber und Schüttelfrost
  • Bakteriennachweis im Urin

Risikofaktoren, die eine Rolle spielen

Ein besonders bedeutsamer Faktor bei der Entstehung eines Harnwegsinfektes (Urethritis) ist eine unzureichende Immunabwehr. Das bedeutet, Sie sind dann besonders gefährdet, wenn Ihre Abwehrkräfte geschwächt sind. Das erleichtert den Bakterien die Vermehrung und die Anheftung an die Blasenwand, weil der Körper sich nicht gegen die „Eindringlinge“ wehren kann.

Es war der erste gemeinsame Urlaub mit meinem neuen Freund. Wir haben es wirklich sehr genossen, endlich mal Zeit für uns zu haben. Und dann das: Blasenentzündung. Der Arzt hat mir dann ein Antibiotikum verschrieben und die Beschwerden gingen dann rasch weg. Gott sei Dank!

Zudem gibt es bestimmte Verhaltensweisen oder Umstände, die eine Blasenentzündung (Zystitis) oder eine Urethritis begünstigen können. Dazu gehören zum Beispiel eine übertriebene Intimhygiene, häufiger Geschlechtsverkehr („Honeymoon-Zystitis“) oder bestimmte Verhütungsmethoden (z. B. Diaphragma oder Spermizide). Unterkühlung ist ebenfalls ein Risikofaktor. Denn die Kälte im Beckenbereich drosselt die Durchblutung und zusätzlich die Aktivität der weißen Blutkörperchen, welche die eindringenden Bakterien bekämpfen.

Bestimmte Erkrankungen machen uns grundsätzlich anfälliger für Blasenentzündungen. Zum Beispiel sind Menschen mit Diabetes mellitus insgesamt infektanfälliger. Sie haben viel Zucker im Urin, der den Bakterien als Nährstoff dient. Auch Patienten mit einem (dauerhaften) Blasenkatheter leiden häufiger unter Harnwegsentzündungen.

  1. Buch: Blasenentzündung und interstitielle Zystitis; Autorin Dr. Ehmer I.; Zuckschwerdt Verlag GmbH, München, 2019
  2. Gilbert NM, O’Brien VP, Lewis AL. PLOS Pathog 2017;13(3): e1006238
  3. Interdisziplinäre S3-Leitlinie „Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten

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